Gewerbe im Abseits

– Leserbrief von Andreas Cotting, Mitglied Leitendes Ausschuss Bieler KMU, im Bieler Tagblatt vom 5. März 2026

Im Ländtequartier sind die Missstände seit Langem offensichtlich: verstopfte Strassen, fehlende Parkplätze und eine unklare Signalisation beeinträchtigen die Anwohnenden deutlich. Dass die Stadt Biel diese Situation nun ernsthaft angeht und mögliche Massnahmen wie Kamera-Kontrollen prüft, ist angesichts dieser Belastungen richtig und längst überfällig.

Was jedoch zunehmend irritiert und viele Bürgerinnen und Bürger verärgert: Die Stadt handelt hier entschlossen, während andere Betroffene seit Jahren vergeblich auf vergleichbare Aufmerksamkeit warten. Der deutliche Kontrast im Umgang mit dem lokalen Gewerbe ist unübersehbar. Während im Ländtequartier ein aktiver Dialog organisiert, moderiert und politisch getragen wird, erleben viele Gewerbetreibende, dass ihre Probleme kaum wahrgenommen oder gar ignoriert werden. Die strukturellen Herausforderungen im gewerblichen Umfeld unterscheiden sich nur wenig von jenen im Wohnquartier – doch die Reaktion der Stadt fällt auffallend einseitig aus.

Dieser selektive Einsatz von Dialogbereitschaft wirkt nicht nur unfair, sondern hinterlässt den Eindruck, dass die Stadt Biel ihre Prioritäten nach politischer Opportunität setzt. Ein Quartier wird breit unterstützt, während das Gewerbe – ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur – trotz langjähriger Belastungen weitgehend ohne echte Gesprächsplattform auskommen muss. Das erzeugt Frust, Unverständnis und vor allem das Gefühl, dass die Stadt eine Gruppe klar bevorzugt.

Biel kann es sich nicht leisten, Teile der Bevölkerung und Wirtschaft so unterschiedlich zu behandeln. Stadtentwicklung gelingt nur dann, wenn alle relevanten Akteure ernst genommen werden – nicht bloss jene, die durch ihre Wohnsituation gerade stärker im Fokus stehen. Einseitiges Handeln schafft Spannungen, keine Lösungen.