Die Stadt Biel wertet derzeit das Pilotprojekt mit den Handwerkerparkplätzen in der Innenstadt aus. Die Parkfelder sind der Renner.
In der Innenstadt von Biel gibt es seit einem Jahr sieben Handwerkerparkplätze. Es ist ein Pilotprojekt und soll dafür sorgen, dass Handwerkerinnen und Handwerker bei ihren Einsätzen schnell einen Parkplatz finden. Sie sollen nicht minutenlang nach einem freien Parkfeld suchen müssen. Das ist sinnvoll, weil die Zahl der Oberflächenparkplätze in der Stadt stetig reduziert wird. Dies, um Platz zu schaffen für Fussgänger, Velofahrerinnen und Begrünung.
Doch wie funktioniert das städtische Angebot?
Die Handwerkerparkplätze befinden sich an der Dufourstrasse, an der Molzgasse, der Eisengasse und an der Rüschlistrasse, der Güterstrasse und der Wyttenbachstrasse. Sie werden laut der Stadt Biel rege genutzt. So heisst es bei der Dienststelle Verkehr: «Wir können bereits bestätigen, dass dieses Angebot von den Handwerkern sehr geschätzt wird.» Man schliesse das aus den Rückmeldungen, die man erhalten habe.
Derzeit läuft die Auswertung der Pilotphase, diese kommuniziere man frühestens im Juni. «Bis dahin läuft also alles wie bisher», heisst es bei der Stadt.
Parkplätze sind oft bereits belegt
Der SVP-Stadtrat und Handwerker Patrick Demierre bestätigt, dass von ihm und seinen Mitarbeitern die Handwerkerparkplätze geschätzt werden. Demierre ist Besitzer und Geschäftsführer von Elkom, einem Bieler Klein-KMU für Elektroinstallationen. «Grundsätzlich schätzen wir diese Parkplätze und brauchen sie regelmässig», sagt er. Oft seien die Felder allerdings schon besetzt. «Wir würden es deshalb begrüssen, wenn es mehr davon geben würde», sagt Demierre und ergänzt: «Vor allem im Gebiet von der Garten- und der Kontrollstrasse – weil dort in jüngster Vergangenheit viele reguläre Parkplätze aufgehoben worden sind.»
Das sieht man in anderen Bieler Handwerksbetrieben ähnlich: Andreas Cotting ist der Geschäftsleiter der Bieler Baugeno AG und er gehört zum leitenden Ausschuss der Bieler KMU. «Die Idee mit den Handwerkerparkplätzen finde ich gut. Es müsste aber mehr davon geben, denn oft sind sie bereits belegt, wenn man sie braucht.» Cotting weiss auch, dass oft Private dort parkieren, obwohl sie das nicht dürften. «Das ist natürlich ärgerlich, wenn man einen Serviceauftrag in der Nähe hat», sagt der Geschäftsleiter, der Firma, die Schreinerarbeiten oder kleine Maurerarbeiten erledigt. Baugeno besteht aus 28 Mitarbeitern und ist regelmässig mit den 14 Handwerkerautos unterwegs – grösstenteils in der Stadt Biel oder der Umgebung.
Cotting wünscht sich zudem mehr «gesunden Menschenverstand» bei der Verteilung der Bussen. Wenn ein Handwerkerauto mit offener Tür direkt bei einem Haus gebüsst werde, finde er das unverhältnismässig. «Meine Mitarbeiter können nicht eine schwere Tür durch die halbe Stadt tragen. Manchmal dürfte man auch nachfragen, wie lange man da stehen will», sagt Cotting.
KMU-Präsidentin ermahnt Gewerbe
Die Präsidentin der Bieler KMU, Miriam Stebler, sagt: «Die Handwerkerparkplätze sind eine gute Sache und wir sind positiv gestimmt.» Auch sie ist der Meinung, dass es mehr davon geben sollte. «Am liebsten hätten wir zwei bis drei Handwerkerparkplätze mehr», sagt sie.
Man bedauere gleichzeitig, dass wegen der Handwerkerparkplätze sowohl Behindertenparkplätze als auch Umschlagparkplätze aufgehoben worden seien. «Das ist nicht in unserem Sinn», sagt Stebler. Sie geht auch kritisch mit den eigenen Leuten ins Gericht: Es sei schon vorgekommen, dass Handwerker die Parkplätze in der Freizeit nutzten. «Wir sensibilisieren die Firmeninhaber, die Handwerkerparkkarte nicht für eigene Zwecke zu verwenden», sagt sie. Im Namen des Bieler Gewerbes hat sie die Stadt per Mail gebeten, sich an einem Runden Tisch über die Handwerkerparkplätze auszutauschen.
Dieser Runde Tisch kommt laut Stebler Mitte Mai zustande.
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Text: Deborah Balmer, Bieler Tagblatt vom 27.04.2026,