Die aktuelle Verkehrspolitik der Stadt Biel setzt das lokale Gewerbe massiv unter Druck. Immer mehr Kundinnen und Kunden meiden die Innenstadt, weil sie aufgrund von gesperrten Zufahrten, komplizierten Verkehrsführungen und mangelnden Parkmöglichkeiten den Weg zu den Geschäften scheuen. Zudem führen die für den motorisierten Verkehr gesperrten Strassen an anderer Stelle zu massivem Zusatzstau, was die Situation zusätzlich verschärft. Die Folgen zeigen sich deutlich: leerstehende Ladenlokale, rückläufige Umsätze und eine spürbare Verlagerung des Konsums an Orte, wo Einkaufen unkompliziert möglich bleibt.
Besonders hart trifft es die Handwerksbetriebe. Täglich stecken sie im Stau fest, verlieren wertvolle Arbeitszeit und müssen kostspielige Umwege in Kauf nehmen, nur um ihre Kundschaft überhaupt noch zu erreichen. Arbeitsabläufe geraten damit ins Stocken, Termine verschieben sich, und die Kosten steigen. Einige Betriebe sehen sich mittlerweile gezwungen, für Bieler Aufträge einen Zuschlag zu verlangen – ein Alarmsignal, das die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung ignorieren.
Statt aus den offensichtlichen Problemen zu lernen, plant die Stadt weitere Millioneninvestitionen in zusätzliche Hindernisse, Fahrverbote und Durchgangsbeschränkungen. Diese Massnahmen folgen einer ideologisch geprägten Agenda, die den motorisierten Individualverkehr zum Feindbild erklärt – ungeachtet der Tatsache, dass laut allen relevanten Wirtschaftserhebungen der MIV der mit Abstand wichtigste Verkehrsträger für Kundschaft und Unternehmen bleibt. Viele Arbeitnehmende sind auf ein Auto angewiesen, um ihren Arbeitsplatz überhaupt erreichen zu können. Kein Handwerker kann seine schweren Werkzeuge und Materialien im Bus oder auf dem Velo transportieren.
Dabei muss es ein Miteinander und kein Gegeneinander sein. Bitte vergesst nicht, welches Ziel eine Stadt eigentlich hat: Lebensqualität für alle zu schaffen, wirtschaftliche Stabilität zu sichern und Rahmenbedingungen zu bieten, die ein funktionierendes Zusammenleben ermöglichen. Wer Gewerbe, Arbeitsplätze und Kaufkraft ernsthaft erhalten will, darf nicht an den realen Bedürfnissen der Bevölkerung vorbeipolitisieren. Wohlstand entsteht nicht durch Verbote, sondern durch funktionierende Strukturen, die allen dienen.
Eine Stadt, die sich Weltoffenheit auf die Fahne schreibt, sollte diese nicht mit kleinkarierter Verkehrspolitik konterkarieren. Biel war einst eine pulsierende, wirtschaftlich starke Stadt – wir dürfen nicht zulassen, dass sie zu einem verstaubten Museum verkommt.
Miriam Stebler, Präsidentin Bieler KMU, und Joël Pauli, Vizepräsident Bieler KMU